Das untere Ende der Nahrungskette
Jefferey Zeldman ist ein weiser Mann oder er hatte einfach einen guten Tag, als er diesen Satz formulierte: "Type is the foundation of print and web design."
Ben Barrett-Forrest war davon so beeindruckt, dass er mit seinem Team 140 Stunden Arbeit investierte, um dem Internet "The History of Typography" zu schenken.
Fünf Minuten dauert sein Stop-Motion Filmchen. Hier wird mit 2454 Bildern die Geschichte der Fonts erzählt, die wir tagtäglich benutzen inklusive historischer Zusammenhänge und einer Prise Humor.
Wer durch "The History of Typography" auf den Geschmack gekommen ist, kann sich HIER austoben.
Mad Men finden wir super. Das wird nicht nur dem aufmerksamen Leser unseres Blogs bewusst sein. Zeitreisen via Photoshop finden wir auch super. Das liegt in unserer Natur. Wir finden unglaublichen Gefallen daran, wenn Menschen irgendwo auf der Welt auf Ideen kommen, die uns hätten auch einfallen können, ja müssen. Klingt absurd, aber wenn wir uns bei jeder verpassten Idee aufregen würden, dann kämen wir zu nichts mehr. Deswegen schlägt unser Herz gleich ein wenig höher, wenn wir sehen, was sich die netten Menschen von shutterstock.com zur Premiere der vorletzten Staffel Mad Men haben einfallen lassen. Aus reiner Nostalgie und ob des bevorstehenden Endes des Serie haben sie ihre Designerköpfchen angestrengt und darüber sinniert, wie die Arbeit von Don Draper und Konsorten im Jahr 2013 wohl aussehen würde. Raus kommt "Mad Men through a 21-st century lens".
Die Aktentasche und das lästige Papierzeug wird durch eine Cloud ersetzt. Damit spart sich Donny im Jahr 2013 das lästige Rumgetrage. Peggy bekommt statt ihrer Schreibmaschine ein Macbook verpasst, was ihr unzählige Tonnen Papier und Tipp-Ex spart, und Joans' Notizblock wird kurzerhand gegen ein iPad ausgetauscht. Dinge für die wir, die wir im Jahr 2013 leben, überhaupt keine Bezeichnungen mehr haben, waren in den 60ern brandneu und angesagt. Aber wer verwendet heutzutage noch einen Rolodex? Yoga hat sich mittlerweile als Mittel gegen Stress etabliert. Wäre Betty Francis eine moderne Frau, dann würde sie dieser Beschäftigung sicher mit großer Freude nachgehen, aber wahrscheinlich trotzdem noch rauchen. Weil wir schon auf dem Gesundheitstrip sind, gibt es anstatt den stilvollen Drink bei Meetings einen Fruchtsmoothie. Für die gesunde Aura, versteht sich. Witziger Fact dazu: vor wenigen Tagen haben wir die Saftbar in der Nachbarschaft für uns entdeckt. So falsch liegen die von shutterstock da gar nicht.
Wie gesagt, wir finden Zeitreisen via Photoshop super. Erstaunlich zu sehen, wie sich die Arbeitsweise in der Branche über ein halbes Jahrhundert verändert hat. Gegen eine Zigarette und einen Drink haben wir aber nach wie vor nichts.
Hier gibt's den Artikel nocheinmal zum Nachlesen.
Wir sind transmedial unterwegs. Das wisst ihr wahrscheinlich eh schon länger. Unsere Tätigkeitsbereiche erstecken sich von Vorträgen vor bedeutenden Diplomaten, über Spacecowboys, bis zu Parkettboden. Dass wir auch mit Theater können, das wissen nur diejenigen, die unserem Output in das world wide web aufmerksam folgen. Vor fast zwei Jahren haben wir bereits einen Trailer für das Stück "ALLESWIRDGUT" des Wiener Künstlerkollektivs playground produziert. Die Gruppe bewegt sich im Spannungsfeld zwischen moderner Performance, Live Musik und Club-Atmosphäre. Dabei kommt qualitativ hochwertiges, gesellschaftskritisches Theater heraus. Für die neueste Produktion "Schopenhauers Tipp" wurden wir wieder angeheuert und wir hatten einen Heidenspaß dabei.
Es sollte anders werden. Wir wollten etwas nie zuvor Dagewesenes schaffen. Und wie entsteht etwas nie zuvor Dagewesenes? Richtig. Man bedient sich der unglaublichen Möglichkeiten, die uns das Internet bietet, und würfelt alles, was man in die Finger bekommt zusammen. So läuft das heutzutage. Im Prinzip klingt das dann auch unglaublich einfach, wenn man sich an der Arbeit anderer bedienen kann. Doch so einfach ist das leider nicht. Die Idee war folgende: Schopenhauer sammelt in der Tetriswelt Gadgets, durch jedes er das nächste Hipsterlevel erreicht. Nur die Brille, die ultimative Insignie, sträubt sich. Die Jagd nach ihr führt ihn durch die Super Mario Welt an dreiköpfigen Affen bis in den Outerspace, wo es endlich zur Vereinigung kommt. Manch einer wird sich fragen, was das nun genau mit dem Inhalt des Stückes zu tun hat. Dieser dreht sich um die Selbstwahrnehmung des kreativen Prekariats, um das neue Biedermeier. Kurz: Es dreht sich um Hipster und die Frage, warum eigetnlich nur Hipster über Hipster schimpfen.
Für den Trailer haben wir die Technik der Spriteanimation genutzt. Eine Technik, die es ähnlich wie beim Zeichentrickfilm ermöglicht, einen fließenden Bewegungseindruck zu erzeugen. Dabei werden die einzelnen Sprites hintereinander gereiht und geloopt. Zum Glück haben sich uns unbekannte Menschen irgendwann einmal die Mühe gemacht Webseiten mit Sprites alter Konsolenspiele zu füllen. Aus diesem schier unendlichen Angebot haben wir uns mit Freude bedient. Erst im Photoshop die einzelnen Sprites ausgeschnitten, einen Schopenhauerkopf Pixel für Pixel modelliert und dann im Affter Effects zusammengebaut. Klingt ganz einfach. Ist aber eine Schweinearbeit, die sehr viel Zeit ins Anspruch nimmt. Wie dem auch sei. Am Ende haben wir es für den Videospielcharakter noch auf alt gemacht, indem wir die hochauflösende Welt verpixelt haben. Logic Circle lieferte den Midi-Super-Mario-Soundtrack. Zusammengesetzt lässt der Trailer jedes Hipsterherz höher schlagen.
Es ist neu und gleichzeitig alt, es ist sinnlos und doch tiefgründig, es ist Philosophie vs. Videospiel und es kommt ein dreiköpfiger Affe vor. Wenn das nicht Grund genug ist sich den Trailer in Dauerschleife anzusehen, ihn zu teilen und am 25. Februar zur Premiere von "Schopenhauers Tipp" ins Palais Kabelwerk zu gehen, kann nicht einmal Schopenhauer die Menscheit noch retten. Mahalo.
Gestern stand der Superbowl auf dem Programm. Das verspricht Football in Perfektion. Davon wird selbst der gemeine Mitteleuropäer mitgerissen, der sonst rein gar nichts mit diesem Sport am Hut hat. Das ist schön. Er ist schließlich leich zu begeistern und stets erpicht auf neue und größere Events, von denen er dann am Montag stolz im Büro erzählen kann. Die Fernsehanstalten sind sich dessen bewusst und bieten denjenigen, die der englischen Sprache nicht Herr sind, eine Übertragung in der Muttersprache an. In Deutschland hatte Sat.1 die Ehre und für Österreich hat Puls 4 die nationalen Football-Experten ausgegraben. Scheinbar wurden keine Kosten und Mühen gescheut, denn die Übertragung war gespickt mit Expertenwissen und bot ein visuelles Highlight nach dem anderen. Neben dem Football in seiner höchsten Ausführung lieferte das österreichische Fernsehen ein Exempel für die ausgefeilte Nutzung von Greenscreens. Eine graue Betonwand hat natürlich auch seinen Charme und vor ihr kommen die geschickt platzierten Produkte viel besser zur Geltung. Wer denkt, es geht nicht professioneller, der wurde in der unerwarteten Pause, während der Strom im Stadion ausgefallen war, Zeuge, wie ein Wäschekorb Fernsehgeschichte schrieb. Das alles an einem Abend bzw. in einer Nacht. Da hat sich das Wachbleiben auf jeden Fall gelohnt. Wie Puls 4 es auf ihrer Hompage angekündigt hatte: "Super Bowl: Faszination Fußball"
Nur schade, dass die sagenumwobenen Werbespots weder von Puls 4 noch von ESPN übertragen wurden. Für diese blättern Konzere Jahr für Jahr Millionen Dollar hin, damit sie von den 180 Millionen Amerikanern geschluckt werden. Was haben wir verpasst? Youtube hat es uns nach dem Spiel verraten: Babys in Astronautenkostümen, die Flaming Lips auf dem Dach, eine Chips fressende Ziege und diverse Beispiele dafür, wie ein Auto das Leben gleich viel aufregender gestalten könnte. Dafür müssen schon die besten Leute der Werbebranche verantwortlich sein, denn welchen grandiosen Geistern würden sonst solche Ideen entspringen?
Idiocracy lässt grüßen.
Oh wie schön muss die Welt gewesen sein, als es unmöglich oder zumindest mit riesigem Aufwand verbunden war, Bilder zu bearbeiten. Leider kann ich von diesen Zeiten nicht berichten. Von noch weiter zurückliegenden Zeiten kann ich, egal wie sehr ich mich damit beschäftige, nur durchs Hörensagen ins Schwärmen geraten. Vor allem die 60er und 70er Jahre strahlen einen Glanz und eine Faszination aus, was mich oft den Wunsch äußern hat lassen, diese Zeit aktiv miterlebt haben zu können. Dafür hätte ich auch auf Wikipedia, Photoshop und elektronische Musik verzichtet. Wirklich.
Gestern Abend verbreitete sich in einem wohlbekannten Onlineportal ein erstaunliches Konzertplakat. Darauf prangten großartige Namen wie Jimi Hendrix, The Doors, Led Zeppelin, Bob Dylan oder Pink Floyd. Sollte diese Zeit wirklich so abgefahren gewesen sein, dass ein Festival die Künstler, die Generationen geprägt haben, auf eine Bühne gebracht hat? Freitag zu Hendrix, Samstag zu Jefferson Airplane und Sonntag zu den Stones? Unmöglich! Doch das ominöse Plakat sagte es so. Da stand es schwarz auf orange. Die Kommentare zum Plakat sprachen eine eindeutige Sprache: „Früher war eh alles besser. Da wäre ich gerne gewesen.“ Coachella 1969 musste demnach vom Line-Up größer gewesen sein, als Woodstock.
Jetzt kommt wieder Photoshop ins Spiel. Aus einer eigentlich scherzhaften Idee heraus entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit ein vom Coachella-Festival offiziell ausgeschriebener Wettbewerb. Ziel war es im Nachhinein Fakeplakate und Line-Ups niemals dagewesener Festivals zu erstellen (Coachella gibt es erst seit 1999). Den Gewinnern winkte immerhin ein gratis Festivalpass. Ob sie gewusst haben, was sie in den Köpfen der armen Internetgemeinde anrichten? Die Sehnsucht nach einer scheinbar großartigen Vergangenheit wurde durch ein einfaches, gephotoshoptes Plakat angeheizt. Wir hätten es auf jeden Fall sofort wissen müssen, aber man wird doch wohl noch träumen dürfen.
Als die Person, die hinter dem Youtubeaccount „behindrealitychannel“ steckt vor einem Jahr die Worte „das ist einfach nur der basolute wahnsinn. eins der besten videos die ich jeh gesehen. wow. mind blowing!!!!!. großartig“ in seine/ihre Tastatur gehämmert hat, war er/sie vom eben gesehenen, sicher so aufgewühlt und bewegt, dass seine/ihre Ausdrucksfähigkeit für kurze Zeit abhanden gekommen sein muss. Das kann man ihr/ihm auch einfach nicht übel nehmen, denn er/sie hat in diesem Moment ein unglaublich schönes Musikvideo gesehen. Zum Song „Memory“ der durchaus bekannten Band Zoot Woman haben Mirjam Baker und Mike Kren innerhalb von neun Monaten einen Mix aus live action, handgemalter und rotoskopierter Animation geschaffen. Das 2009 entstandene Video war nicht die erste Zusammenarbeit der beiden mit der britischen Band. Zwei Jahre zuvor produzierten sie im Rahmen einer Lehrveranstaltung ein Video, in dem sie Figuren aus Gemälden der Maler Hieronymus Bosch und Pieter Bruegel zum tanzen brachten. Als Soundtrack wählten sie eben einen Song von Zoot Woman aus. Die Band hat einen solchen Gefallen daran gefunden, dass sie das Video zum offiziellen Video ihrer Single „We won't break“ umbauen ließ. Mit Erfolg, denn 2011 wurde es im Rahmen von „The Art of Pop Video“ als „One of the 100 Best Music Videos Of All Time“ neben Michael Jackson, Daft Punk oder Björk gezeigt.
Das Abgefahrene an der ganzen Sache ist, dass Mike Kren und Mirjam Baker nicht in New York oder Los Angeles, auch nicht in irgendeinem Studio in Japan sitzen, sondern in Wien. Sie arbeiten als Freischaffende vor unserer Haustüre und räumen mit ihren Animationsvideos, die auf Festivals auf der ganzen Welt gescreent werden, zu recht haufenweise wohlklingende Preise ab.
Ihr letztes Stop Motion Projekt zum Song „Galaxy“ der österreichischen Band „I am Cereals“ erstreckte sich über neuen Monate, in denen die Filmemacher nebenbei noch andere Jobs annehmen mussten, weil für solch zeitaufwändige Projekte kein Geld mehr vorhanden ist. Ausgehend von diesem Video arbeiten die beiden gerade an einem Kurzfilm mit dem Titel „The Back Room“.
BysanderLC hat es auf YouTube auf den Kopf getroffen: You don't see videos like this often. Animationslichtgestalt Ray Harryhausen wäre sicherlich entzückt.
Wir sind reichlich spät dran, was Neujahrsglückwünsche angeht. Dessen sind wir uns bewusst. Aber wir haben eine gute Erklärung dafür. Denn in den letzten Tagen des letzten und den ersten Tagen des neuen Jahres wurden wir gezwungenermaßen zu Testpersonen für Artikel zur Grippebekämpfung. Wir haben gelernt, wie viel Geld man für Taschentücher ausgeben und was man mit einem Haufen einzelner Päckchen alles anstellen kann. Unsere Nasen kennen mittlerweile sogar schon den Unterschied zwischen den verschiedenen Herstellern. Egal ob 3-lagig mit Mentholaroma oder 4-lagig Limone-Ingwer, kennen wir und hatten wir schon. Wir verbarrikadieren uns jetzt so lange hinter den Mauern unserer eigenhändig errichteten Taschentuchburg, bis Aspirin, Paracetamol und Neo Citran ihre Wirkung zeigen.
In dieser Zeit haben wir die Gelegenheit über vergangene Projekte zu sinnieren und über diese, die in nächster Zeit auf uns zukommen. Wir können uns über unsere Vorsätze noch einmal Gedanken machen und darüber, ob sie weise gewählt waren. Was die Vorsätze angeht soll es die ganze Welt (oder zumindest der Teil, den wir erreichen) wissen, dass in unseren Räumlichkeiten in der Lindengasse ab sofort nicht mehr geraucht wird. Der Eingeweihte mag sicher in schallendes Gelächter ausbrechen ob der Unmöglichkeit dieses Vorhabens. Bis jetzt funktioniert das ganze jedoch zum Erstaunen aller ziemlich gut. Geraucht wird ab sofort draußen. Was sicherlich unserem Vorhaben wieder gesund zu werden nicht entgegenkommt. Zum Glück haben wir einen Berg an Taschentüchern und viele viele Medikamente, die liebevoll ausgetauscht werden, wie früher Magic-Cards.
Wir trinken eine Tasse Tee für euch mit und wünschen euch ein gutes neues Jahr.
Wir sind gefangen in einer Zeitschleife. Nicht, dass wir Euch Angst einjagen wollen, aber wir meinen das ernst. Bei „Zeitschleifen“ schwingt immer etwas Negatives im Unterton mit. Doch wir haben keinen Grund zum Sudern. Wir haben nämlich zum Großteil Spaß dabei. Die sich immer wiederholenden Ereignisse erlauben uns eine gewisse Routine in den Dingen zu bekommen, mit denen wir unser Geld verdienen. Yes, we are what you call experts.
Vor gut zwei Wochen hatten wir die Ehre uns unter die Heerschar von frenetischen Boulevardjournalisten zu mischen, um im Auftrag von Fashion TV zwei Stunden auf eine Dame zu warten, die vor Jahren ein Star in einer gefeierten Serie war und es vollbracht hat, die Zukunft einer ganzen Generation von Mädchen zu versauen. Nicht, dass diese Geier mit ihren Kameras die Eröffnung des Flagshipstores des bekannten österreichischen Designers und Freund unseres Hauses Nhut La Hong als Anreiz dafür genommen hätten, lasterweise Equipment ins Stilwerk zu karren. Nein, sie sind gekommen, um sich anzusehen, was diverse Substanzen aus dem netten Mädchen von Nebenan machen können. Die anschließende Modenschau der neuen Prêt-à-Porter Kollektion (jaaa wir wissen mittlerweile, was das ist) verkam dabei leider zur Nebensache. Jetzt kommt die Zeitschleife wieder ins Spiel. Am Freitag folgten wir erneut dem Ruf des Stilwerks - einem riesigen Murmeltierbau voll mit Models und dem Bodensatz der Wiener High Society. Wieder eine Modeschau. Wieder von La Hong. Überall Murmeltiere und Champagner. Wir wollen uns in keinster Weise beklagen, denn so langsam finden wir großen Gefallen an dieser Szenerie. Die Murmeltiere haben uns akzeptiert und in ihre Welt aufgenommen.
Mit dem geistigen Spagat, den wir zu bewältigen hatten, mussten wir erstmal fertig werden. Waren wir am Donnerstag den ganzen Tag beschäftigt Parkettboden in ein gutes Licht zu rücken, hatten wir es am Freitag mit lebendigen Menschen zu tun, die sich sogar bewegten. Ein netter Kontrast. Vor allem wenn der Arbeitstag um fünf Uhr Nachmittags in einem Friseursalon im Ersten beginnt. Dort hätte man vor lauter Gastfreundschaft der Besitzerin Teresa Bundy fast vergessen können, dass wir zum Arbeiten dort waren. Models dabei filmen, wie sie für die Modeschau zurecht gemacht werden, einen Kaffee, wieder filmen, eine Zigarette. Nette Gespräche und wieder filmen. Herrlich. Während wir mit unserem Ninc!-Mobil zum Murmeltierbau jagten, mussten die Models mit der Bim fahren. Eine nette Feststellung am Rande.
Im Stilwerk hätten wir unseren Job auch blind erledigen können. Routine erlaubt das. Hier ein wenig im Store filmen und Schokolade essen, da ein Interview mit den Stylisten, Socializing, warten bis die Show beginnt. Dabei gab es einiges zu sehen, was man selten oder nie bei einer Modeschau zu Gesicht bekommt. Die Anweisung des Designers an die Models lautete nämlich: "Macht was ihr wollt." Und so bewegten sie sich nicht steif und langweilig, sondern mit Pirouetten und Tanzschritten über den Laufsteg. Anschließend schlichen wir mit unseren Kameras noch durch die Aftershow-Party. Unser Job ist super. Wir fanden sogar die Zeit eine Sozialstudie innerhalb der Partygäste anzustellen. So kristallisierte sich für uns das Phänomen des „Modelfreundes“ heraus, der sich nahtlos mit der „Frau Doktor“ und „Frau Professor“ in eine Reihe stellen lässt. Denn am Ende standen die besagten Modelfreunde brav vor der Türe, um mit stolzgeschwellter Brust ihre Modelfreundinnen abzuholen. Bei so viel Spaß an der Arbeit passiert es schnell, dass man sich unbemerkt im Vergnügen wiederfindet. We love Fashion TV.
Wir sind fleißig am Schneiden und gespannt, was die Zeitschleife als nächstes für uns parat hält. Wahrscheinlich läuft uns bald mal Bill Murray über den Weg.
„You are the supernatural assassin Corvo in a steampunk city looking for revenge.“
Es heißt man wachse an seinen Herausforderungen. Dieser Blogeintrag stellte vor wenigen Stunden noch eine schier unlösbare Aufgabe für mich dar. Die Mission: etwas über das Spiel „Dishonored“ zu schreiben. Manch einer mag sich jetzt fragen, wo das große Problem liege. Doch wenn man bedenkt, dass Age of Empires 2 das letzte Computerspiel ist, mit dem ich mich näher auseinandergesetzt habe, dann kann man vielleicht nachvollziehen, wie es mir geht. Dreizehn Jahre liegen zwischen dem Release von Age of Empires und Dishonored. Diesen Zeitraum habe ich in kurzer Zeit versucht nachzuholen. Und weil ich nun eine Art Experte bin, möchte ich euch mein Wissen und meine Erkenntnisse auf keinen Fall vorenthalten. Loslos!
„Dishonored - Die Maske des Zorns“ ist eine Steampunkt Dystopie, die in der fiktiven Stadt Dunwall spielt. Allein in diesem Satz steckt so viel Information, dass man es niemandem übelnehmen kann, wenn er/sie schon hier aussteigt. Weiterlesen lohnt sich. Versprochen. Wir machen das jetzt Schritt für Schritt: Steampunk - Dystopie - Dunwall
Steampunk ist eine Form des Retro-Futurismus. Dabei werden futuristische Instrumente mit Materialien des viktorianischen Zeitalters gekreuzt. Das heißt mit reichlich Zahnrädern, Bolzen und Kolben versehen. Das paradoxe Ergebnis dieser Kreuzung ist eine nostalgische Welt im Science Fiction Stil. Eine Zukunft im Gewand der Vergangenheit. Die geistigen Erben von Vernes und Wells sind jedoch keine Schriftsteller, sondern Industriedesigner. Und was ist der Job eines Industriedesigners? Dinge zu Papier zu bringen, die nicht existieren. Genau so hat eine Handvoll Entwickler ihr Geld verdient ehe sie sich der Schaffung der Steampunk-Stadt Dunwall widmeten. Haben sie vorher Prototypen von Autos entworfen, entspringen ihren Geistern nun Waffen, denen sie narrative Funktionen einhauchen. Hier trifft Industriedesign auf Science Fiction. Ganz im Sinne der Dystopien von Orwell oder Huxley muss die Bevölkerung von Dunwall den technischen Fortschritt mit ihrer Freiheit bezahlen. Zweiter Punkt „Dystopie“: check
Die Programmierer von Arkane schlüpften in die Rolle von Historikern und studierten für die Gestaltung von Dunwall historische Stadtpläne und Zeichnungen von Edinburgh und London. In einem Interview verrät einer der Designer, dass das zu Beginn London im Jahr 1666 als Vorlage diente, dem Jahr der Pestepidemie und des Großen Brandes. Doch im Laufe der Entwicklung habe sich die Stadt in der Geschichte immer weiter nach vorne gearbeitet bis sie im 19. Jahrhundert gelandet ist. Dächer, Schornsteine und Fassadenverzierungen wurden nach altem Vorbild gestaltet und bei einer Exkursion ins gegenwärtige London getestet, wie das Licht und die Umgebung interagieren. Das erklärte Ziel bei der Gestaltung der Stadt war einen neuen fiktionalen Ort auf der Landkarte fiktionaler Städte zu platzieren. Minas Tirith, Atlantis, Bielefeld und jetzt Dunwall.
Dreißig Kreative arbeiteten unter dem Art Director Sebastien Mitton an Dishonored. Dabei wurden aus Entwicklern nicht nur Historiker, sondern Experten in Sachen Anatomie. Bevor sie sich an die Gestaltung der Charaktere machten, stellten sie umfangreiche Recherchen an, um Schlüsselaspekte der angelsächsischen Physiognomie zu ermitteln. Durch Motion Capturing gewonnenen Daten wurden mit Keyframe Animation überarbeitet, um sie im typischen Grafikstil umzusetzen.Bei der 3D Modellierung haben die Entwickler besonders darauf geachtet das Gemäldeartige der Skizzen in der dritten Dimension zu erhalten. Dafür haben sie sich die besten Grafikdesigner Europas gesucht, um mit ihnen zusammenzuarbeiten. Der geschickte Schachzug bestand darin, diese nicht in das Arkane-Studio zu holen, sondern sie in ihrer gewohnten Umgebung arbeiten lassen.
Dishonored wurde auf Basis der Unreal 3 Engine entwickelt. Sie arbeitet unter anderem mit High Dynamic Range Rendering (HDRR). Dabei werden in der Natur vorkommende Helligkeitsschwankungen berücksichtigt. Anders als bei den herkömmlichen 256 Helligkeitsabstufungen pro Farbkanal werden Farben beim HDRR mit ausreichend hoher Präzision geliefert, um einen großen Bereich von Helligkeit abzudecken. Dadurch besteht die Möglichkeit starke Kontraste ohne übermäßigen Detailverlust darzustellen und Effekte, wie zum Beispiel Linsenstreuung, anzuwenden. Besonders feine Licht- und Reflektionseffekte im Spiel basieren auf der Shading-Methode der Pixelbasierten Beleutung.
Zum Schluss gebe ich dem Leser, der sich bis hierher durchgearbeitet hat einen Satz einer Entwicklerin mit auf den Weg, der zeigt, wie diese Menschen arbeiten: „Wir haben einen Hund genommen und ihn mit einem Krokodil gekreuzt. Dazu eine Prise Giraffe, um ihn einzigartig zu machen.“
Okey wir ergeben uns und lassen uns von der Euphorie der Blogszene mitreißen. Reaktionen auf „Coexist“, das neue Album von The XX, bekommt man jedoch genügend um die Ohren gehauen, sobald man das Internet betritt. Wir stellen uns ein wenig quer und widmen uns explizit dem Video zur zweiten Singleauskopplung „Chained“.Brandneu ist das. Noch feucht hinter den Ohren. Gestern rausgekommen. Ninc! am Zahn der Zeit. Man kann sich in den Dimensionen, in denen sich The XX bewegen, richtig was darauf einbilden, wenn man unter den ersten 160000 ist, die das Video gesehen haben.Wir erzählen euch das nicht, weil wir uns damit rühmen wollen immer topaktuell zu sein, sondern, weil es sich lohnt das Video genauer unter die Lupe zu nehmen. Es ist ein Produkt der Zusammenarbeit von The Creators Project, ein Gemeinschaftsding von Intel und Vice, und Young Replicant, einer Produktionsfirma aus Los Angeles.Hier bekommt man also die volle Breitseite ab. Vice und The XX? Das lässt die Herzen unter den Shirts mit V-Ausschnitt höher schlagen.
Das erklärte Ziel der Macher war die bildliche Umsetzung des minimalistischen Sounds der Band. Dafür haben sie deren Mitglieder zwei Tage lang in einem alten Industriesee planschen lassen. Als Kamera wurde größtenteils eine Arri Alexa benutzt, die als Antwort auf „The Red One“ gesehen werden kann. Eine Kamera die sehr gerne genutzt wird und mit der zum Beispiel „The Hobbit“ oder „District 9“ gedreht wurden. Warum gerade die Arri Alexa zum Einsatz kam wollte das Internet uns nicht verraten. Wir vermuten, dass es etwas mit Alternativsein zu tun hat. Würde auf jeden Fall passen. Die Slow-Motion Aufnahmen, von denen das Video letzten Endes lebt, hat eine Phantom eingefangen. Über die Nachbearbeitung hat Young Replicant in keinem Interview oder Statement großartig Worte verloren. Unser geschultes Auge erlaubt uns jedoch die Vermutung zu äußern, dass die Farbeffekte in Wolken und Wasser mit „Optical Flairs“, einem Plug-In für After Effects, erzeugt und mit displacement layers darübergelegt wurden. Wir arbeiten gerade an einem Projekt, bei dem eben dieses Plug-In zum Einsatz kommt und haben deswegen unsere eigenen Erfahrungen damit.
Die zentrale Idee des Videos versteckt sich hinter den Unterwasseraufnahmen. Die Bandmitglieder treten durch ihre Schwimm- und Taucheinlagen in Verbindung, ehe sie gemeinsam an die Oberfläche aufsteigen. Der Regisseur Alex Takacs wollte dadurch etwas Abstraktes darstellen, dass genügend erzählerische Spannung besitzt, um die Emotionalität des Songs zu verbildlichen. Wir müssen zugeben, dass wir darauf von selbst nicht gekommen wären, aber es klingt sehr schön.Beim Color Grading scheint sich jemand ordentlich Gedanken gemacht zu haben, denn das Video ist in einem Licht gehalten, dass die Stimmung des Songs zusammen mit den Slow-Motion- und Unterwasseraufnahmen in der Tat visualisiert. Mission complete.
Jetzt haben wir es doch geschafft über ein Musikvideo zu reden, ohne viel über die Musik an sich gesagt zu haben. Die Band mag nicht jedermanns Sache sein und das Video im ersten Augenblick fad wirken. Am Ende lässt sich aber festhalten, dass es sich lohnt genauer hinzusehen und sich mit einem Video auseinanderzusetzen. Das war's. Jetzt schauen wir uns trotzdem noch ein paar Musikvideos an ohne uns großartige Gedanken darüber zu machen.


