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Max Power

Max Power

Das untere Ende der Nahrungskette

Montag, 10 November 2014 18:56

Comics kontra Komplexität

Comics kontra Komplexität

Das Universum ist für uns als minimale Bestandteile ein unbegreifbares. Selbst wenn wir uns sicher sind, alle Informationen zu kennen und eventuelle Wechselwirkungen zwischen Einzelkomponenten scheinbar spielerisch zu durchschauen, bleibt uns doch am Ende meistens nur übrig, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen und wikipedia zu fragen, was zu Teufel eigentlich Komplexität ist.

Humor ist so eine Sache, auf die die Menschheit wirklich stolz sein kann. Manche Menschen sind damit gesegnet, jenes wirre Kneuel, das wir Welt nennen, wenigstens an einem Ende zu entwirren und kurz Licht in die ausufernde Überforderung zu bringen.
Mikael Wulff und Anders Morgenthaler sind genau solche Menschen. Das Duo, das seine Brötchen mit Schreiben und Malen verdient (jajajaa!), veröffentlicht täglich Cartoons und Grafiken, die auf wunderbar simple Art und Weise unsere Ticks und Gewohnheiten sowie Ausgeburten unseres modernen Zusammenlebens bloßstellen. Dabei haben sie den den Heiligen Gral der Komplexitätsbekämpfung gefunden. Ihre Grafiken spielen unbeschwert mit bekannten Symbolen der Popkultur wie zum Beispiel likebutton und smilies. Das macht es für den internetversierten Konsument ihrer Comics so einfach, sie zu verstehen. Die beiden Dänen, die unter dem Namen wumo veröffentlichen, scheinen in ihrer Themenwahl schier unbegrenzt zu sein. So finden sich in ihrem Oeuvre neben Kommentaren und Seitenhieben in Richtung der verkommenen Kulturindustrie, der nimmersatten Konsumgesellschaft und dem schwindenden Anspruch an so ziemlich alles, auch Auseinandersetzungen mit den täglichen kleinen Problemchen des Netzabhängigenfastfoodessendenmacusermenschen. Dabei wechseln sich intelligenter und scharfsinniger Humor mit tiefstem Slapstick ab. So wird der Konsum ihrer comics selbst nach einigem Scrollen nicht fad, weil mal der Intellektuelle, mal der Prolet in einem selbst auf seine Kosten kommt. So schaffen es Mikael Wulff und Anders Morgenthaler mit ihren Comics und Grafiken, der Welt ein wenig an Komplexität zu nehmen.Wenn sie neben ihren täglichen Veröffentlichungen in wirklich wichtigen Zeitungen (u.a. Die Welt, The New York Times) zu viel Zeit haben, machen sie nebenbei auch noch Cartoonserien, in denen sie selbst neben faschistischen Hippos und sexbesessenen Biebern auftreten. Das scheint ein netter Ausgleich zu sein.

Mittwoch, 22 Oktober 2014 20:16

Flunky Freak‘s Furious Found Footage Fun

Flunky Freak‘s Furious Found Footage Fun

Was macht ein Videomensch, wenn er eine freie Minute hat? Wer nun etwas zum Lachen erwartet, sollte sich besser das ansehen. Ihr müsst wissen, Videomenschen sind ein seltsamer Menschenschlag. Wenn man so will, dann sind Videomenschen von beruflicher Seite aus gezwungen, seltsame Menschen zu sein, denn sie gehen Tätigkeiten nach, die im ersten -und meist auch bis weit nach dem folgenden - Moment für viele kaum bis überhaupt nicht nachvollziehbar zu sein scheinen.
Und da wären wir schon mittendrin in der Thematik. Das Arbeiten mit Found Footage ist eine schräge Sache. Man wühlt ohne Plan und Orientierung durch Plattformen wie archive.org und bekommt auf dieser Reise Einblicke in längst überholte Denkweisen, kann sich Tips zur Körperhygiene in den 20er Jahren abholen, bevor man bei einem 90. Geburtstag landet, der vor 90 Jahren stattgefunden hat. Wenn man noch immer nicht genug hat, geht‘s weiter zu Verschwörungstheoretikern, die felsenfest davon überzeugt sind, dass Hippies eine Rakete gebaut haben und damit auf den Mond geflogen sind.
Wenn man sich von diesem ganzen bebilderten Irrsinn nicht den Kopf verdrehen hat lassen, kann man dazu übergehen, die besten Einstellungen aus den Clips herauszuschneiden. Hat man diese Fieselei hinter sich, sieht man sich gezwungen, diesem Berg an Ultracoolenoldschoolclips Herr zu werden und ihn bestenfalls zu einem narrativen Strang zu kneten. Als ob das nicht schon genug Problem für einen Arbeitsprozess wäre, kommt da die meist miserable Videoqualität ums Eck und zwingt den mit der Verzweiflung ringenden Videomenschen zu Finten und Tricks, mit denen er im harten Business sein Überleben sichert. Da kommen dann Splitscreens zu Einsatz oder ganze Cluster, die dann wieder gespiegelt und mit Masken zugeschnitten werden, um den verdammten Kader vollzubekommen. Am Ende freut man sich darüber, tiefer als je zuvor in die Tiefen der Creative Suite vorgedrungen zu sein und der unendlichen Weite einen einminütigen Clip abgerungen zu haben. Erfolg!
Warum das ganze? Ein Grund dafür ist das Männchen hinter den Augenlidern dieser Videomenschen, das diese dazu anstachelt, selbst die spärlich bemessenen freien Minuten vor dem Computer zu verbringen. Ein zweiter ist, wenn Freunde Geburtstag haben. Da sollte man etwas basteln, hat Mami gesagt. Und was ist das naheliegende Bastelgeschenk eines Videomenschen? Heheeeeeee da haben wir es!

 

 

P.S. Mit der Band SOLAR BLAZE ist unser Haus ja quasi familiär verbandelt. Die ist wiederum mit music-news.at familiär verbandelt. Und so sind am Ende alle familiär verbandelt. Hach, du schönes Österreich. 

 

P.P.S. Alles Gute, Music-News! 

Freitag, 06 Juni 2014 12:47

Aufklärung! Bist du schon länger hier?

Aufklärung! Bist du schon länger hier?

Das Internet ist für uns alle Neuland. Herzlichen Glückwunsch an all diejenigen, die sich erfolgreich durch das schier undurchdringbare Datendickicht hierher auf die NINC-Lichtung gekämpft haben. Hier gibt’s kurzweilige Erleuchtung in Sachen Datenschutz abzugreifen. In unserer realen Nachbarschaft ist in diesen Tagen einiges los. Genau vor den Toren unseres headquartes bereiten viele liebe Menschen ein großes Straßenfest vor und ein paar Blocks weiter feiert das Institut für Technikfolgen-Abschätzung sein 20-jähriges Bestehen. Die dort tätigen Damen und Herren erforschen seither den Einfluss von Technologien auf die Gesellschaft. Die meiste Zeit seines Bestehens führte das Institut ein Schattendasein, was eventuell an den Forschungsgegenständen liegen könnte. Den Einfluss des Faxgerätes oder des BTX (ein Vorgänger des Internets, das Telefon und Fernsehschirm zu einem Kommunikationsmittel kombinierte) interessierte anscheinend so gut wie niemanden. Mittlerweile sind die Forschungsthemen in der Mitte der Gesellschaft angekommen und werden medial rege diskutiert. Das Institut beschäftigt sich heutzutage unter anderem mit Datensicherheit. Diese ist wohl das derzeit brennendste Thema in der Technikfolgen-Abschätzung. Was die Wissenschaftler leisten, ist mehr als Politikberatung bei der Umsetzung von Technologien. Vielmehr kommentieren sie gesellschaftliche Trends unter intermedialen Gesichtspunkten. Wie schwerwiegend das Thema Datensicherheit ist, muss dem User mit fortschreitender Technisierung des Alltags klarwerden. An der Auseinandersetzung mit Themen wie Big Data oder Datenschutz kommt der Mensch im Jahr 2014 nicht mehr vorbei. Ein kleiner Lichtblick zeigt sich in der Vergabe des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den Internet-Pionier Jaorn Lanier. Der Erfinder des Begriffes „virtuelle Realität“ hat früh mit der Aufklärung begonnen und der Welt versucht zu zeigen, welche Risiken die digitale Welt für die freie Lebensgestaltung bergen. Langsam und schleichend kriecht die Aufklärung in die Mitte der Gesellschaft. Langsam und schleichend wächst das Straßenfest 1070.

Donnerstag, 17 April 2014 13:48

Hello, hunters. Congratulations.

Hello, hunters. Congratulations.

Ostern steht vor der Tür. Bewusst passiert das eigentlich nur einmal im Jahr. Derweil könnten wir uns auch jeden Tag auf Eiersuche begeben. Genauer gesagt: auf die Suche nach Easter Eggs.
Was als Spaß der ersten Programierer begann, hat mittlerweile monströse Ausmaße angenommen. Im Prinzip stolpern wir mehrmals täglich über eines. Egal ob wir ein Buch in die Hand nehmen, eine Platte hören, eine Serie schauen oder im Internet unterwegs sind. Man könnte sein ganzes Leben der Suche nach diesen Easter Eggs widmen. Man kann sich auch nur drüber freuen, wenn man zufällig auf einer stößt. Das könnte zum Beispiel passieren, wenn man "tilt" googelt. Was passiert, müsst ihr selbst herausfinden. Versucht es dann gleich auch mal mit "do a barel roll" oder "zerg rush"
Wenn ihr dann noch nicht genug habt, könnt ihr auch gerne diese Liste abarbeiten. Falls das noch immer nicht genug sein sollte, könnt ihr gleich bei Hendrix, de Beatles oder Pink Floyd weitersuchen. Ihr werdet irgendwann bestimmt auch auf verstecke Nachrichten von Aliens stoßen. In einem bestimmten Fall werden die werten Herren von Pink Floyd dich für deine Suche loben. Wenn das noch immer nicht genug ist, könnt ihr auch eure verstaubten Playboy Ausgaben ausgraben und sie nach dem versteckten Bunny auf jedem Cover untersuchen. Die Liste lässt sich unendlich fortsetzen.
Frohe Ostern und eine erfolgreiche Suche!

Montag, 14 April 2014 18:10

Die Bank für alle Bereiche des Lebens

Die Bank für alle Bereiche des Lebens

Facebook ist eine komplizierte Sache. Im Prinzip haben wir keine Ahnung, was wir eigentlich alles anrichten, wenn wir stundenlang durch unseren News Feed scrollen und dann und wann unsere Lieblingsspeise, respektive -bar oder -musikgruppe hinausposaunen. Dass facebook Mitte Februar 2012 an die Börse gegangen ist, hat man gezwungenermaßen mitbekommen. Großartige Gedanken darüber verschwendet hat sicherlich nur ein Bruchteil deiner Mitmenschen. Oder habt ihr etwa abends bei einem Bier oder einem Glas Wein darüber diskutiert, wie eine Social-Media Platform so einfach mal mit einem Ausgabekurs von 104.Mrd US-Dollar im Börsengeschäft mitmischen kann und warum zum Teufel so viel Geld hinter der ganzen Geschichte steckt? Dass das anfangs entgegen aller Expertenvoraussagen eher weniger erfolgreich war, hat schon keiner mehr wirklich mitbekommen. Dann die Sache mit WhatsApp anfang des Jahres ....Entschuldigung, ich wurde soeben angestupst... Wenn man ehrlich ist, dann ist einem doch auch vollkommen egal, was facebook hinter den Kulissen so anstellt. Selbst der aufgeklärte Medienmensch des Jahres 2014 schaltet irgendwann auf Durchzug, wenn die tausendste Nachricht ins Haus flattert, die über den nächsten großen Coup von Zuckerberg und Co berichten: Facebook kauft Brille. Facebook kauft Facebook. Facebook ist böse. Facebook wird zur Bank
Wie? Nochmal? Privatsphäre hin oder her. Die ist ohnehin nicht mehr zu retten. Doch jetzt geht’s ums Geld und da wird die Sache heikel. Das Monster streckt jetzt auch noch seine Giftfinger in diesen Sektor. Da lohnt sich es sich dann doch, die ganzen Katzenvideos Katzenvideos sein zu lassen und der Sache mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „Facebook könnte in Europa schon bald zur Bank werden“ lautet die Headline. Weiter im Text heißt es dann: „...in Irland.“ Glück gehabt. Die Iren haben es nicht so mit dem Geld. Das sollte bekannt sein. Wenn nicht, besteht auch in diesem Bereich einiges an Nachholbedarf bzw. die Leute in deinem News Feed sind politische Analphabeten oder zumindest kurzsichtig. Zurück zur Facebook-Bank: Das Ziel ist es eine virtuelle Währung zu schaffen, die sich User dann gegenseitig zuschieben können. Spiele kaufen ist da zum Beispiel eine Möglichkeit. Oh, wie schön. Neuigkeiten! Fortschritt! Juchu! Farmville-Power! Dahinter steckt jedoch eine tiefer gehende Strategie. Es soll nämlich aufstrebenden Schwellenländern entgegenkommen. Genauer gesagt, soll es Gastarbeitern aus eben diesen Ländern ermöglichen, an ihr Geld zu kommen bzw. dieses nach Hause senden zu können. Hmmm. Natürlich öffnet sich für facebook dadurch eine neue Erlösquelle. Konkurrenten wie google oder eBay haben bereits ihre Alternativen zu Kreditkarte und Banküberweisung auf dem Markt etabliert. Da heißt es nachziehen für den großen weiß-blauen Kumpel.

Font oder nicht Font - Vollkommen egal in diesem Fall

Trier beansprucht den Titel der ältesten Stadt Deutschlands für sich. Dass es dort so überhaupt nicht altbacken und verstaubt zur Sache geht, beweist das Designstudio FOREAL FOREAL™. Das hat sich nämlich in einem Moment der Muse gedacht: „Hej, lasst uns mal das komplette Alphabet modellieren.“ Solche firmeninternen Projekte bringen so einige Vorteile mit sich. Nicht nur, dass es einen Heidenspaß macht, nein, man ergründet nebenbei spielerisch die Abgründe, die den Programmen innewohnen. Im Fall des Alphabetes handelt es sich um Maxon Cinema 4D. Als Ergebnis präsentieren die Gründer von FOREAL Benjamin Simon und Dirk Schuster Buchstaben, die ästhetisch irgendwo zwischen Photorealismus und Surrealismus anzusiedeln sind. Sie rufen ganz gezielt die unterschiedlichsten Gefühle und Reaktionen beim Betrachter hervor. So ist das fleischig-haarige „K“ der wohl widerlichste Buchstabe, den man sich vorstellen kann. Das kleine „i“ dagegen „eye candy“, nämlich ein an der Spitz abgeknicktes Snickers.
Wer an einer Diskussion auf hohem N3rd-Niveau interessiert ist, kann sich hier gerne einklinken und klären, ob es sich nun um einen font handelt oder nicht. Wem das zu anstrengend ist, kann sich in der Bildergalerie auch einfach nur "The Sculpted Alphabet" ansehen.

Dienstag, 28 Mai 2013 12:36

The History of Typography

The History of Typography

Jefferey Zeldman ist ein weiser Mann oder er hatte einfach einen guten Tag, als er diesen Satz formulierte: "Type is the foundation of print and web design."
Ben Barrett-Forrest war davon so beeindruckt, dass er mit seinem Team 140 Stunden Arbeit investierte, um dem Internet "The History of Typography" zu schenken.
Fünf Minuten dauert sein Stop-Motion Filmchen. Hier wird mit 2454 Bildern die Geschichte der Fonts erzählt, die wir tagtäglich benutzen inklusive historischer Zusammenhänge und einer Prise Humor.

Wer durch "The History of Typography" auf den Geschmack gekommen ist, kann sich HIER austoben.

Montag, 08 April 2013 13:29

Ein halbes Jahrhundert Unterschied

Ein halbes Jahrhundert Unterschied

Mad Men finden wir super. Das wird nicht nur dem aufmerksamen Leser unseres Blogs bewusst sein. Zeitreisen via Photoshop finden wir auch super. Das liegt in unserer Natur. Wir finden unglaublichen Gefallen daran, wenn Menschen irgendwo auf der Welt auf Ideen kommen, die uns hätten auch einfallen können, ja müssen. Klingt absurd, aber wenn wir uns bei jeder verpassten Idee aufregen würden, dann kämen wir zu nichts mehr. Deswegen schlägt unser Herz gleich ein wenig höher, wenn wir sehen, was sich die netten Menschen von shutterstock.com zur Premiere der vorletzten Staffel Mad Men haben einfallen lassen. Aus reiner Nostalgie und ob des bevorstehenden Endes des Serie haben sie ihre Designerköpfchen angestrengt und darüber sinniert, wie die Arbeit von Don Draper und Konsorten im Jahr 2013 wohl aussehen würde. Raus kommt "Mad Men through a 21-st century lens".

Die Aktentasche und das lästige Papierzeug wird durch eine Cloud ersetzt. Damit spart sich Donny im Jahr 2013 das lästige Rumgetrage. Peggy bekommt statt ihrer Schreibmaschine ein Macbook verpasst, was ihr unzählige Tonnen Papier und Tipp-Ex spart, und Joans' Notizblock wird kurzerhand gegen ein iPad ausgetauscht. Dinge für die wir, die wir im Jahr 2013 leben, überhaupt keine Bezeichnungen mehr haben, waren in den 60ern brandneu und angesagt. Aber wer verwendet heutzutage noch einen Rolodex? Yoga hat sich mittlerweile als Mittel gegen Stress etabliert. Wäre Betty Francis eine moderne Frau, dann würde sie dieser Beschäftigung sicher mit großer Freude nachgehen, aber wahrscheinlich trotzdem noch rauchen. Weil wir schon auf dem Gesundheitstrip sind, gibt es anstatt den stilvollen Drink bei Meetings einen Fruchtsmoothie. Für die gesunde Aura, versteht sich. Witziger Fact dazu: vor wenigen Tagen haben wir die Saftbar in der Nachbarschaft für uns entdeckt. So falsch liegen die von shutterstock da gar nicht.

Wie gesagt, wir finden Zeitreisen via Photoshop super. Erstaunlich zu sehen, wie sich die Arbeitsweise in der Branche über ein halbes Jahrhundert verändert hat. Gegen eine Zigarette und einen Drink haben wir aber nach wie vor nichts.

Hier gibt's den Artikel nocheinmal zum Nachlesen.

Donnerstag, 14 Februar 2013 19:47

Balsam für das Hipsterherz

Balsam für das Hipsterherz

Wir sind transmedial unterwegs. Das wisst ihr wahrscheinlich eh schon länger. Unsere Tätigkeitsbereiche erstecken sich von Vorträgen vor bedeutenden Diplomaten, über Spacecowboys, bis zu Parkettboden. Dass wir auch mit Theater können, das wissen nur diejenigen, die unserem Output in das world wide web aufmerksam folgen. Vor fast zwei Jahren haben wir bereits einen Trailer für das Stück "ALLESWIRDGUT" des Wiener Künstlerkollektivs playground produziert. Die Gruppe bewegt sich im Spannungsfeld zwischen moderner Performance, Live Musik und Club-Atmosphäre. Dabei kommt qualitativ hochwertiges, gesellschaftskritisches Theater heraus. Für die neueste Produktion "Schopenhauers Tipp" wurden wir wieder angeheuert und wir hatten einen Heidenspaß dabei. 

Es sollte anders werden. Wir wollten etwas nie zuvor Dagewesenes schaffen. Und wie entsteht etwas nie zuvor Dagewesenes? Richtig. Man bedient sich der unglaublichen Möglichkeiten, die uns das Internet bietet, und würfelt alles, was man in die Finger bekommt zusammen. So läuft das heutzutage. Im Prinzip klingt das dann auch unglaublich einfach, wenn man sich an der Arbeit anderer bedienen kann. Doch so einfach ist das leider nicht. Die Idee war folgende: Schopenhauer sammelt in der Tetriswelt Gadgets, durch jedes er das nächste Hipsterlevel erreicht. Nur die Brille, die ultimative Insignie, sträubt sich. Die Jagd nach ihr führt ihn durch die Super Mario Welt an dreiköpfigen Affen bis in den Outerspace, wo es endlich zur Vereinigung kommt. Manch einer wird sich fragen, was das nun genau mit dem Inhalt des Stückes zu tun hat. Dieser dreht sich um die Selbstwahrnehmung des kreativen Prekariats, um das neue Biedermeier. Kurz: Es dreht sich um Hipster und die Frage, warum eigetnlich nur Hipster über Hipster schimpfen.

Für den Trailer haben wir die Technik der Spriteanimation genutzt. Eine Technik, die es ähnlich wie beim Zeichentrickfilm ermöglicht, einen fließenden Bewegungseindruck zu erzeugen. Dabei werden die einzelnen Sprites hintereinander gereiht und geloopt. Zum Glück haben sich uns unbekannte Menschen irgendwann einmal die Mühe gemacht Webseiten mit Sprites alter Konsolenspiele zu füllen. Aus diesem schier unendlichen Angebot haben wir uns mit Freude bedient. Erst im Photoshop die einzelnen Sprites ausgeschnitten, einen Schopenhauerkopf Pixel für Pixel modelliert und dann im Affter Effects zusammengebaut. Klingt ganz einfach. Ist aber eine Schweinearbeit, die sehr viel Zeit ins Anspruch nimmt. Wie dem auch sei. Am Ende haben wir es für den Videospielcharakter noch auf alt gemacht, indem wir die hochauflösende Welt verpixelt haben. Logic Circle lieferte den Midi-Super-Mario-Soundtrack. Zusammengesetzt lässt der Trailer jedes Hipsterherz höher schlagen.

Es ist neu und gleichzeitig alt, es ist sinnlos und doch tiefgründig, es ist Philosophie vs. Videospiel und es kommt ein dreiköpfiger Affe vor. Wenn das nicht Grund genug ist sich den Trailer in Dauerschleife anzusehen, ihn zu teilen und am 25. Februar zur Premiere von "Schopenhauers Tipp" ins Palais Kabelwerk zu gehen, kann nicht einmal Schopenhauer die Menscheit noch retten. Mahalo. 

 

 

Montag, 04 Februar 2013 15:32

Welcome to Idiocracy

Welcome to Idiocracy

Gestern stand der Superbowl auf dem Programm. Das verspricht Football in Perfektion. Davon wird selbst der gemeine Mitteleuropäer mitgerissen, der sonst rein gar nichts mit diesem Sport am Hut hat. Das ist schön. Er ist schließlich leich zu begeistern und stets erpicht auf neue und größere Events, von denen er dann am Montag stolz im Büro erzählen kann. Die Fernsehanstalten sind sich dessen bewusst und bieten denjenigen, die der englischen Sprache nicht Herr sind, eine Übertragung in der Muttersprache an. In Deutschland hatte Sat.1 die Ehre und für Österreich hat Puls 4 die nationalen Football-Experten ausgegraben. Scheinbar wurden keine Kosten und Mühen gescheut, denn die Übertragung war gespickt mit Expertenwissen und bot ein visuelles Highlight nach dem anderen. Neben dem Football in seiner höchsten Ausführung lieferte das österreichische Fernsehen ein Exempel für die ausgefeilte Nutzung von Greenscreens. Eine graue Betonwand hat natürlich auch seinen Charme und vor ihr kommen die geschickt platzierten Produkte viel besser zur Geltung. Wer denkt, es geht nicht professioneller, der wurde in der unerwarteten Pause, während der Strom im Stadion ausgefallen war, Zeuge, wie ein Wäschekorb Fernsehgeschichte schrieb. Das alles an einem Abend bzw. in einer Nacht. Da hat sich das Wachbleiben auf jeden Fall gelohnt. Wie Puls 4 es auf ihrer Hompage angekündigt hatte: "Super Bowl: Faszination Fußball"

Nur schade, dass die sagenumwobenen Werbespots weder von Puls 4 noch von ESPN übertragen wurden. Für diese blättern Konzere Jahr für Jahr Millionen Dollar hin, damit sie von den 180 Millionen Amerikanern geschluckt werden. Was haben wir verpasst? Youtube hat es uns nach dem Spiel verraten: Babys in Astronautenkostümen, die Flaming Lips auf dem Dach, eine Chips fressende Ziege und diverse Beispiele dafür, wie ein Auto das Leben gleich viel aufregender gestalten könnte. Dafür müssen schon die besten Leute der Werbebranche verantwortlich sein, denn welchen grandiosen Geistern würden sonst solche Ideen entspringen?

Idiocracy lässt grüßen.

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